EZBs sechste Zinssenkung: Aufschwung oder Pleite für EU-Aktien?
Die Europäische Zentralbank (EZB) nahm ihre sechste Zinssenkung seit Juni vor und senkte den Einlagensatz am Donnerstag letzter Woche (6. März) um 25 Basispunkte auf 2,5 %. Diese Entscheidung zielt darauf ab, die Kreditaufnahme und die Investitionen inmitten der eskalierenden Handelsspannungen mit den USA und der erhöhten Verteidigungsausgaben in ganz Europa anzukurbeln.
Mit diesem Schritt will die EZB der wirtschaftlichen Stagnation entgegenwirken, da die Wachstumsprognosen für 2025 auf 0,9 % gesenkt wurden. Es wird erwartet, dass niedrigere Kreditkosten die europäischen Aktien stützen werden.
Mögliche US-Zölle und der Inflationsdruck aufgrund der expansiven Finanzpolitik könnten jedoch die Kursgewinne an den Aktienmärkten dämpfen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte einen datenabhängigen Ansatz für künftige geldpolitische Entscheidungen und wies darauf hin, dass weitere Zinssenkungen nicht garantiert seien.

Inflationsausblick: Wird die EZB im April eine Pause einlegen?
Die EZB hat ihre Inflationsprognosen aktualisiert und prognostiziert eine Gesamtinflation von 2,3 % für 2025, 1,9 % für 2026 und 2,0 % für 2027. Diese Korrekturen deuten darauf hin, dass sich die Inflation in der Nähe des 2 %-Ziels der EZB stabilisiert
Trotz dieser ermutigenden Anzeichen besteht der zugrunde liegende Inflationsdruck weiter, insbesondere aufgrund der verzögerten Lohn- und Preisanpassungen in bestimmten Sektoren. Allerdings schwächt sich das Lohnwachstum ab, und die Unternehmensgewinne fangen einen Teil der inflationären Auswirkungen ab.
Trotz der Lockerung geht die EZB vorsichtig vor. Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass künftige Entscheidungen eher von den eingehenden Wirtschaftsindikatoren als von einem vorher festgelegten Zinspfad geleitet werden. (Quelle: European Central Bank)
Diese vorsichtige Haltung spiegelt die Notwendigkeit wider, die sich entwickelnden wirtschaftlichen Bedingungen zu bewerten, bevor weitere geldpolitische Anpassungen vorgenommen werden.
EZB-Zinssenkung: Was wird die Fed tun?
Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die anstehenden politischen Entscheidungen der Federal Reserve (FED). Die Fed hat die Zinsen seit September 2024 dreimal gesenkt und damit den Leitzins auf 4,50 % gebracht.
Die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank ist für den 18. und 19. März angesetzt. Der Gouverneur der Fed, Christopher Waller, hat jedoch angedeutet, dass eine Zinssenkung auf dieser Sitzung unwahrscheinlich ist, was darauf hindeutet, dass eine Lockerung später im Jahr erfolgen könnte.
Jüngste Daten zeigen, dass die Inflation in den USA im Januar unerwartet auf 3 % gestiegen ist, gegenüber 2,9 % im Dezember, was das 2 %-Ziel der Fed in Frage stellt. Infolgedessen wird die bevorstehende Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex (VPI) für Februar am 12. März genau beobachtet werden.
Euro-Rallye hält nach Zinssenkung an
Das Ergebnis der EZB-Sitzung hat den Euro gegenüber dem US-Dollar weiter gestützt, der heute (10. März) bei etwa 1,081 EUR/USD gehandelt wird. Seit dem 21. Februar, als er bei 1,047 EUR/USD lag, hat der Euro schrittweise um 3,25 % aufgewertet.
Diese Aufwertung ist auf die revidierten Inflationsprognosen der EZB zurückzuführen, die für das Jahr 2025 nun eine Inflationsrate von 2,3 % statt der zuvor prognostizierten 2,1 % erwarten. Die Aufwärtskorrektur veranlasste die Marktteilnehmer, die Wahrscheinlichkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung neu zu bewerten.
Dagegen geriet der USD aufgrund der anhaltenden Handelsspannungen und der Besorgnis über die Entwicklung der Binnenwirtschaft unter Abwärtsdruck.
Euro-Wirtschaft mit glänzenden makroökonomischen Aussichten
Der Euro Stoxx 50 stieg nach der Zinssenkung der EZB zunächst um 1,24 % und kletterte am 6. März von 5.471 auf 5.539, bevor er bis heute auf 5.459 zurückging. Die Märkte reagierten positiv auf die Lockerung, bleiben aber angesichts der breiteren wirtschaftlichen Risiken vorsichtig.
Der von Deutschland vorgeschlagene Investitionsplan in Höhe von 1 Billion Euro, einschließlich 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur, gibt einen weiteren positiven Ausblick auf die europäische Wirtschaft.
Der fiskalische Vorstoß sowie die steigenden Verteidigungsausgaben in der gesamten Region nähren den Optimismus hinsichtlich der Wachstumsaussichten.
Schlussfolgerung
Die jüngste Zinssenkung der EZB gibt den europäischen Aktien und dem Euro kurzfristig Auftrieb, doch die langfristigen Risiken bleiben bestehen. Die Anleger wägen die schleppenden Wachstumsprognosen gegen die steigenden Haushaltsausgaben in Deutschland und der gesamten Region ab.
Die Märkte rechnen mit einem begrenzten Spielraum für weitere Lockerungen, wobei Lagarde einen datengestützten Ansatz betont. Das Zögern der Fed, die Zinsen zu senken, könnte unterdessen die politischen Divergenzen vergrößern und den Druck auf den Euro aufrechterhalten.
Während Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen den Optimismus stützen, trüben Inflationsunsicherheit und geopolitische Risiken weiterhin die Aussichten. Die europäische Wirtschaft steht am Scheideweg - fiskalische Anreize könnten den Aufschwung fördern, aber die Märkte bleiben misstrauisch gegenüber externen Schocks.
*Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Ergebnisse.