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Die Entscheidung der EZB vom 6. Juni: Was Sie wissen müssen

Plus500 | Donnerstag 06 Juni 2024

Angesichts des starken wirtschaftlichen Gegenwinds auf dem Kontinent wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank ihre jüngste geldpolitische Sitzung am 6. Juni abschließt, gefolgt von einer Pressekonferenz. Werfen wir einen Blick auf die von Analysten erwarteten Entscheidungen der obersten Entscheidungsträger der Eurozone und wie sich diese auf die Märkte auswirken könnten:

ecb

Wende in der Politik in Sicht?

Aufmerksame Marktbeobachter erwarten, dass die EZB heute zum ersten Mal seit fünf Jahren eine Zinssenkung vornimmt. Angesichts der Tatsache, dass viele wichtige europäische Volkswirtschaften um ein nachhaltiges BIP-Wachstum kämpfen, dürfte dieser Schritt die Wirtschaft der Region erheblich entlasten. Diese erwartete Entscheidung erfolgt inmitten einer beträchtlichen Unsicherheit über die Anzahl der künftigen Zinssenkungen. Die Anleger haben ihre Erwartungen für kumulative Zinssenkungen in diesem Jahr seit ihrem Höchststand im Dezember drastisch gesenkt und rechnen nun mit etwa 60 Basispunkten.

Gegenwärtig liegt der Einlagensatz der EZB bei 4 %. Die heutige Zinssenkung ist insofern bemerkenswert, als es sich um den ersten Fall seit über zwei Jahrzehnten handelt, in dem die EZB die Kreditkosten als Reaktion auf eine traditionelle Abschwächung des Inflationsdrucks und nicht auf eine Finanzkrise in der Währungsunion gesenkt hat.

Diese Entscheidung stellt einen bedeutenden Sieg für EZB-Präsidentin Christine Lagarde dar, die oft wegen ihres vermeintlich mangelnden Fachwissens im Zentralbankwesen kritisiert wurde. Der Kampf gegen die Inflation ist jedoch noch lange nicht vorbei. Im Mai beschleunigte sich die Gesamtinflation zum ersten Mal in diesem Jahr auf 2,6 Prozent und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Aufgrund des unerwartet hohen Lohnwachstums und der robusten Wirtschaftsleistung besteht weiterhin das Risiko, dass die Inflation länger als akzeptabel über dem Zielwert der EZB bleibt.

Die Analysten gehen im Allgemeinen davon aus, dass die EZB-Mitarbeiter ihre Wachstums- und Inflationsprognosen leicht anheben werden, so dass die EZB weiterhin davon ausgeht, dass sie ihr Inflation sziel von 2 % erreichen wird. Sie gaben jedoch zu bedenken, dass der zugrunde liegende Druck, insbesondere bei den Dienstleistungspreisen, in der Prognoserunde im September zu einer weiteren Aufwärtskorrektur führen könnte.

Gleichzeitig könnte der unerwartet starke Preisdruck in den Vereinigten Staaten, der die Federal Reserve in einer Warteschleife bezüglich Zinssenkungen halten dürfte, den Lockerungsambitionen der EZB einen Strich durch die Rechnung machen. Eine deutliche Abweichung von der Fed könnte sich negativ auf den Euro auswirken. Der Chef der Österreichischen Nationalbank, Robert Holzmann, hat auf diese Herausforderungen hingewiesen, während andere Falken wie Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel vor einer übereilten Einleitung einer Reihe von Zinssenkungen gewarnt haben.

Umgekehrt betonen Tauben wie Fabio Panetta von der italienischen Zentralbank das Risiko einer zu straffen Politik, wenn Europa gerade erst eine Rezession hinter sich gelassen hat. Panetta und der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, haben festgestellt, dass eine Verschärfung der US-Politik und der finanziellen Bedingungen unterschiedliche Auswirkungen hat.

Die Finanzmärkte werden auf Lagardes Pressekonferenz nach Hinweisen auf die künftige Entwicklung der Zinssätze Ausschau halten, aber Analysten vermuten, dass sie enttäuscht sein könnten. Einige Experten sind der Meinung, dass sich die EZB zwar die Option einer weiteren Lockerung offen halten sollte, wenn die Daten dies zulassen, sich aber nicht auf eine weitere Zinssenkung im September festlegen sollte.

Die Position des Euro an den Devisenmärkten

Im Vorfeld der heutigen EZB-Entscheidung dürften Händler darauf achten, wo die wichtigsten Devisenpaare derzeit stehen und wie sie sich als Reaktion auf den erwarteten Schritt der obersten geldpolitischen Institution der Eurozone verändern könnten. 

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels steht die EUR/GBP-Paarung bei 0,85059 und damit oberhalb des Unterstützungsniveaus von 0,8500, während Anleger die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank abwarten. Die Paarung hat sich in den letzten Handelstagen relativ wenig bewegt, da die Marktteilnehmer die erwartete Zinssenkung der EZB um 25 Basispunkte und die Leitlinien der Bank für die künftige Geldpolitik aufmerksam verfolgen.

Trotz der erwarteten Zinssenkung sind die EZB-Beamten aufgrund der unerwartet hohen Inflation vorsichtig, sich auf einen bestimmten Zinssenkungspfad festzulegen. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für die Eurozone übertraf im Mai die Schätzungen, und die zugrunde liegende Inflation erreichte mit 4,1 % ein Siebenmonatshoch. Dies hat die EZB-Beamten dazu veranlasst, einen datenabhängigen Ansatz beizubehalten und vorerst keine weiteren Zinssenkungen vorzunehmen.

Im Gegensatz dazu stellt das anhaltende Lohnwachstum im Vereinigten Königreich die Bank von England (BoE) bei der Normalisierung der Geldpolitik weiterhin vor Herausforderungen. Der Markt geht davon aus, dass die BoE im August mit der Senkung der Zinssätze beginnen wird, aber das höhere Lohnwachstum könnte den Inflationsdruck aufrechterhalten und so einen solchen Schritt verzögern.

In der Zwischenzeit ist das Währungspaar EUR/USD seit Monatsbeginn um über 0,2 % auf 1,08745 gestiegen, obwohl sich der Dollar erholt hat. Die heute, am 6. Juni, erwarteten Nachrichten aus Frankfurt könnten diese Entwicklung ebenfalls verändern. 

Die Divergenz in der Geldpolitik zwischen der EZB und der Fed könnte den Verkaufsdruck auf Euro-Händler erhöhen. Die Spekulationen über mögliche Zinssenkungen der Fed im September sind derzeit im Aufwärtstrend. Trotz der besser als erwartet ausgefallenen US ISM Services PMI-Daten für Mai, die den USD stützen, verlagert sich der Fokus nun auf die Arbeitsmarktdaten exklusive Landwirtschaft (US Nonfarm Payrolls - NFP), die für Mai einen Anstieg der Arbeitsplätze um 185.000 ausweisen dürften, was den USD weiter anheben und die Gewinne für EUR/USD begrenzen könnte.

Schlussfolgerung

Alles in allem scheinen sich Experten und Analysten zwar weitgehend darüber einig zu sein, in welche Richtung sich die EZB in Bezug auf die Zinssätze bewegen wird, doch müssen Händler und Anleger gleichermaßen auf die endgültige Entscheidung warten. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben die Rolle der Zentralbanken auf der ganzen Welt alles andere als einfach gemacht, und die möglichen Auswirkungen auf die kurzfristigen Trends auf dem Devisenmarkt sind noch nicht bekannt.


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