Vorschau auf den europäischen VPI für Oktober 2025: Inflationsdaten für Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien
Die Eurozone steht diesen Freitag vor einer entscheidenden Inflationsbewertung, da Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien gleichzeitig die Daten zum Verbraucherpreisindex VPI Oktober 2025 veröffentlichen. Angesichts der uneinheitlichen Inflationsentwicklung innerhalb der Eurozone, die zwischen 0,9 % in Frankreich und 3,1 % in Spanien liegt, werden die Märkte diese Zahlen genauestens auf Anzeichen hin untersuchen, die die Erwartungen für die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember und die Zinsentwicklung im Jahr 2026 beeinflussen könnten.

TL;DR
Die wichtigsten Volkswirtschaften der Eurozone veröffentlichen am Freitag, den 28. November 2025, ihre VPI Oktober 2025-Zahlen.
Die Inflation in Deutschland dürfte bei 2,3 % bleiben, während sie in Italien bei 1,2 % und in Frankreich bei 0,9 % liegt – dem niedrigsten Wert in der Eurozone.
Der VPI in Spanien stieg auf 3,1 % und ist damit der höchste unter den großen Volkswirtschaften.
Diese unterschiedlichen Trends erschweren die Signale der EZB hinsichtlich ihrer Zinsentscheidung im Dezember.
Inflationslage in der Eurozone: Unterschiede nehmen zu
Laut der Herbstprognose 2025 der Europäischen Kommission wird die Inflation in der Eurozone im Jahr 2025 voraussichtlich bei durchschnittlich 2,1 % liegen und sich während des gesamten Prognosezeitraums nahe dem Zielwert der EZB von 2 % bewegen. Die nationalen Inflationsraten weisen jedoch erhebliche Unterschiede auf, die eine einheitliche Geldpolitik erschweren.
Die Umfrage der EZB zu den Verbrauchererwartungen vom September 2025 zeigt, dass die medianen Inflationserwartungen für die nächsten 12 Monate bei 2,7 % (nach 2,8 % im August) und für die nächsten drei Jahre bei 2,5 % liegen. Diese verankerten Erwartungen verschaffen der EZB Flexibilität, jedoch erschweren die anhaltenden Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten die Kommunikationsstrategie der Zentralbank. (Quelle: ECB)
Deutschlands VPI: Kernwirtschaft bleibt stabil bei 2,3 %
Die Inflationsrate Deutschlands für Oktober wurde laut Destatis (Statistisches Bundesamt) mit 2,3 % im Jahresvergleich bestätigt, nach 2,4 % im September. Dies bedeutet eine Fortsetzung des allmählichen disinflationären Trends, der durch folgende Faktoren unterstützt wird:
Energiepreise: Nachlassender Druck aufgrund des Nachlassens der Basiseffekte aus dem Jahr 2024
Inflation bei Waren: Abkühlung der Nachfrage und Normalisierung der Lieferketten
Inflation bei Dienstleistungen: Anhaltend hoch aufgrund des Lohnwachstums
Die Inflationsentwicklung in Deutschland bleibt als größter Volkswirtschaft der Eurozone weiterhin kritisch. Ein anhaltender Wert von 2,3 % würde die Erwartungen bestätigen, dass sich die Kerninflation in Richtung des Ziels verlangsamt, was möglicherweise die zurückhaltende Haltung der EZB stützen würde.
Italienischer VPI: Deflationsführer Südeuropas
Der italienische VPI lag im Oktober laut Istat (italienisches Statistikamt) bei 1,2 % im Jahresvergleich und damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2024. Der Rückgang gegenüber den 1,6 % im September war zurückzuführen auf:
Saisonale Basiseffekte
Stabilisierung der Lebensmittelpreise nach den Schwankungen im Sommer
Schwache Binnennachfrage
Die schwächeren Inflationszahlen Italiens unterstreichen die Heterogenität innerhalb der Eurozone, wo die peripheren Volkswirtschaften einem deutlich anderen Preisdruck ausgesetzt sind als die Kernländer. Diese Divergenz könnte die regionalen politischen Überlegungen der EZB beeinflussen.
Frankreich VPI: Inflation verlangsamt sich auf nur noch 0,9 %
Die Inflationsrate in Frankreich sank im Oktober gegenüber dem Vorjahr auf 0,9 % (bestätigte Zahl), nach 1,2 % im September, wie das INSEE (Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien) mitteilte. Frankreich weist nun die niedrigste Inflationsrate unter den großen Volkswirtschaften der Eurozone auf, was auf folgende Faktoren zurückzuführen ist:
Starker Rückgang der Energiepreise
Eine gedämpfte Kerninflation bei Gütern
Preisinterventionen der Regierung
Die Entwicklung in Frankreich weicht deutlich von der in Deutschland und Spanien ab, was die Herausforderung für die Entscheidungsträger der EZB bei der Ausarbeitung einer einheitlichen Geldpolitik für unterschiedliche wirtschaftliche Bedingungen verdeutlicht.
Spanischer VPI: Inflationsbeschleunigung auf 3,1 %
Die Inflation in Spanien beschleunigte sich im Oktober auf 3,1 % im Jahresvergleich, nach 3,0 % im September, und übertraf damit die Marktprognosen von 2,9 %, wie das INE (Nationales Statistikinstitut) mitteilte. Dies ist die höchste Inflationsrate in Spanien seit Juni 2024, die durch folgende Faktoren verursacht wurde:
Anhaltende Inflation im Dienstleistungssektor (bedingt durch Tourismus und Lohnwachstum)
Energiebasierte Effekte
Die Inflationsentwicklung in Spanien steht in starkem Kontrast zu Frankreich und Italien und zeigt den stärksten Preisdruck innerhalb der großen Volkswirtschaften der Eurozone.
Polnischer VPI: Annäherung an das EZB-Ziel
Obwohl Polen kein Mitglied der Eurozone ist, verzeichnete dieses wichtige EU-Land laut dem polnischen Statistikamt (GUS) im Oktober einen Rückgang der Inflation auf 2,8 % im Jahresvergleich gegenüber 2,9 % im September. Dies ist die niedrigste Inflationsrate Polens seit Juni 2024 und deutet auf eine allgemeine Desinflation in Mittel- und Osteuropa hin.
Auswirkungen auf den Markt für Händler
1. EUR-Volatilität erwartet
Ein schwächer als erwartet ausgefallener deutscher Verbraucherpreisindex VPI Oktober 2025 könnte den EUR/USD- und den EUR/GBP-Kurs belasten.
Unterschiedliche nationale Zahlen dürften die Volatilität im Tagesverlauf erhöhen.
2. Neubewertung des Zinspfads der EZB
Die Märkte preisen derzeit eine schrittweise Senkung der EZB-Zinsen ab dem ersten Quartal 2026 ein.
Eine anhaltende Desinflation in den wichtigsten Volkswirtschaften könnte die Erwartungen hinsichtlich einer Lockerung beschleunigen.
Anhaltende spanische Inflation könnte aggressive zinsfreundliche Neubewertungen dämpfen.
3. Reaktionen des Anleihemarktes
Die Renditen deutscher Bundesanleihen können empfindlich auf überraschende Inflationsdaten reagieren.
Die Spreads der Peripherieländer (Italien, Spanien gegenüber Deutschland) könnten sich aufgrund unterschiedlicher Daten ausweiten.
Die Kurven am kurzen Ende reagieren am stärksten auf sich ändernde Erwartungen hinsichtlich der EZB-Politik.
4. Überlegungen zum Aktienmarkt
Die Disinflation ist für den Sektor der zyklischen Konsumgüter von Vorteil.
Energie und Rohstoffe reagieren empfindlich auf Inflationssignale auf der Nachfrageseite.
Finanzwerte werden durch neu bewertete Zinssenkungserwartungen beeinflusst.
Schlussfolgerung
Die am Freitag gleichzeitig veröffentlichten Verbraucherpreisindizes VPI Oktober 2025 aus Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien werden vor der Sitzung der EZB im Dezember einen umfassenden Überblick über die Inflationsdynamik in der Eurozone geben. Mit 0,9 % in Frankreich, 1,2 % in Italien, 2,3 % in Deutschland und 3,1 % in Spanien war die Divergenz innerhalb der Eurozone selten so ausgeprägt wie heute.
Für Händler könnten diese Veröffentlichungen potenzielle Chancen bieten, insbesondere bei Devisenpaaren (vor allem EUR-Crosses), europäischen Aktienindizes und anleihebezogenen Instrumenten. Die entscheidende Frage lautet: Wird die EZB den disinflationären Signalen aus Frankreich und Italien Vorrang einräumen oder dem anhaltenden Preisdruck in Spanien und der dienstleistungsgetriebenen Inflation in Deutschland?
*Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die oben genannten Angaben sind lediglich Prognosen und sollten nicht als Anlageberatung verstanden werden.
FAQs
Wie wirkt sich die Inflationsdivergenz auf die Politik der EZB aus?
Eine starke Divergenz erschwert die Kommunikation der EZB, da eine einheitliche Geldpolitik nur schwer auf die unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten eingehen kann. Die EZB konzentriert sich in der Regel auf die Gesamtinflation in der Eurozone, berücksichtigt jedoch regionale Unterschiede.
Welches Inflationsniveau strebt die EZB an?
Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für die Eurozone.
Wann findet die nächste Sitzung der EZB statt?
Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB ist für den 17. und 18. Dezember 2025 angesetzt. Dort werden die Entscheidungsträger diese Inflationszahlen zusammen mit den Wachstums- und Arbeitsmarktdaten bewerten.